Das Silicon Valley macht mal wieder von sich reden: Ein ganzes Haus aus einem 3D-Drucker, an Ort und Stelle produziert – das ist dank des Start-ups Apis Cor ab sofort möglich! Das erste Gebäude dieser Art steht in Russland, ist in kürzester Zeit entstanden und könnte aus technischer Sicht eine echte Revolution darstellen: Die Bauindustrie zumindest dürfte den Vorgang mit Interesse verfolgt haben. Wie genau wurde das Gebäude ausgedruckt? Und wo liegt das Potenzial dieser Art von Hausbau?

Aus dem 3D-Drucker: Hausbau in 24 Stunden

3D-Drucker Haus Prototyp

Könnte bald fester Bestandteil der Baunindustrie sein: Ein Haus aus dem 3D-Drucker. (c)istockphoto.com/cybrain

Die 3D-Technik mit ihren zahlreichen Möglichkeiten fasziniert immer wieder aufs Neue – bekanntestes Beispiel ist vermutlich die sogenannte Virtual Reality, die mit technischen Hilfsmitteln den Eindruck von räumlicher Tiefe vermittelt.

Dass es hier nicht beim Effekt bleiben muss, hat die Firma Apis Cor mit Firmensitzen in San Francisco und Russland nun eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Mithilfe eines einzigen Druckers ist es der Firma in Zusammenarbeit mit mehreren weiteren hochrangigen und kleineren Firmen gelungen, in Russland den Rohbau eines Hauses zu erstellen. Innerhalb von 24 Stunden war das Gebäude mit einer Brutto-Grundfläche von immerhin etwa 38 Quadratmetern fertig ausgedruckt. Das einstöckige Haus aus dem 3D-Drucker wurde in Stupino, etwas südlich der russischen Hauptstadt Moskau, errichtet.

Wird das gedruckte Haus eine Erfolgsgeschichte?

Dass das Haus aus dem 3-Drucker als Prototyp durchaus erfolgreich werden könnte, liegt gleich an mehreren Faktoren:

Die Arbeitsweise des Druckroboters

Das Gerät, das optisch an einen kleinen Kran erinnert, verteilt ein spezielles Betongemisch in Drehbewegungen auf dem Boden. So entstehen die runden Wände des Hauses, die sich im nächsten Schritt ausbauen lassen. Hier liegt ein entscheidender Unterschied zur bisherigen 3-D-Technik, die zuvor standardmäßig in den speziellen Printern zum Einsatz kommt: Es werden nicht einfach einzelne Teile ausgedruckt, die anschließend transportiert und zu einem Ganzen zusammengesetzt werden – sondern es ist bereits nach wenigen Stunden alles fertig und an Ort und Stelle verbaut. Die Wände sind sogar gedämmt: Ein spezieller Reibeputz mit kleinen Granitkugeln macht’s möglich.

Blitzschnelle Bauweise

Dass auf diese Weise in nur 24 Stunden der Bau eines kleinen Hauses möglich sein kann, dürfte der Bauindustrie ein wertvolles Argument für die Investition in die Technik liefern. Der Prototyp hätte sogar in noch kürzerer Zeit beendet werden können, wenn die Temperaturen nicht bei ungünstigen -33 Grad Celsius gelegen hätten.

Die extrem niedrigen Kosten

Vor allem aber die sehr geringen Kosten dürften schlagende Argumente für Häuser aus dem 3D-Drucker liefern: Nur 9500 Euro kostete der Bau in Russland. Selbst ein Haus mit einer größeren Grundfläche würde also eine extrem kostengünstige Angelegenheit werden: Pro Quadratmeter fallen hier 260 Euro an: Ein Bruchteil der rund 3000 Euro, die angeblich pro Quadratmeter für den Bau einer Wohnung erforderlich sind – so zitiert die Tageszeitung „Welt“ Stimmen aus der deutschen Immobilienlandschaft und Bauindustrie. Auch die niedrigen Transportkosten für das 3D-Haus tragen zu den geringen Produktionskosten bei: Schließlich muss lediglich der Drucker selbst an Ort und Stelle gebracht werden.

Ausblick: Wo begegnet uns das Haus dem 3D-Drucker in Zukunft?

Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich die 3D-Drucker-Bauweise für Häuser durchsetzen wird – Potenzial für eine kostensparende und ressourcenschonende Produktion scheint durchaus vorhanden:

Apis Cor selbst hebt nicht nur die niedrigen Kosten als echten Vorteil hervor – laut des Start-ups könnten die Ersparnisse im Vergleich zum traditionellen Hausbau bei rund 70 Prozent liegen – sondern auch die Flexibilität der Technik: Nur die Gesetze der Physik würden die Möglichkeiten des Designs einschränken, ansonsten sei einiges möglich, auch mehrstöckige Häuser sollen laut Apis Cor druckbar sein. Das Start-up betont außerdem die Umweltverträglichkeit der Produktion aus dem Drucker – schließlich entsteht hier keinerlei Müll wie beim herkömmlichen Bau, weil nur das erforderliche Material überhaupt produziert wird.

Die Druckroboter können direkt über Apis Cor bezogen werden. Es dürfte spannend sein zu beobachten, wer in Zukunft von der Technik Gebrauch machen wird. Laut der „Welt“ bietet sich beispielsweise der Bau von einfachen Siedlungen in Flüchtlingsgebieten an, denn sie werden besonders schnell und dringend benötigt.