Portraitfotografie gehört zu den beliebtesten Motiven und gilt unter den Fotografen zur Königsdisziplin. Kein Wunder – hierbei kommt es nicht nur auf die richtige Fototechnik an sondern ebenso, das Model in optimale Pose zu bringen und im richtigen Moment abzudrücken. Viele Hobbyfotografen trauen sich nicht an die Portraitfotografie heran, jedoch kann mit ein paar Tipps ein professionelles Portrait entstehen!

In dem Beitrag haben wir die fünf wichtigsten Ratschläge für Einsteiger zusammengetragen und hoffen, dass sich mehr Hobby-Fotografen an die tolle Kunst der Portraitfotografie herantrauen werden. Viel Spaß beim Lesen!

Die fünf wichtigsten Tipps und Tricks für gute Portraitfotos:

1 Passende Location für ein gutes Portrait

Klar ist, dass das Model bei der Portraitfotografie im Mittelpunkt steht, jedoch ist eine passende Location entscheidend, um dem Bild die gewünschte Atmosphäre zu verleihen. Die gute Nachricht ist, dass kein Fotostudio notwendig ist. Wer in der Stadt lebt, dem empfehlen wir beispielsweise ins Industriegebiet zu fahren – alte Backsteinhallen, verlassene Bahnhäuser und bunte Graffitis auf Wänden sind ideal, um dem Portrait eine raue und zeitlose Atmosphäre zu verleihen. Wem das raue Flair doch zu viel erscheint, der findet in der Natur immer eine passende Location. Outdoor Aufnahmen geben den Bildern Ruhe und Natürlichkeit. Zudem empfehlen wir Schattenplätze zu suchen, die dem Bild, dank ihrer Schattenkanten, gestalterische Linien verschaffen und deinen Fotos Räumlichkeit und Tiefe verleihen.

Portraitbild

Coole Portraits im Industriegebiet. (c) iStock.com / kupicoo

2 Das richtige Equipment

Die Kamera

Bei der Portraitfotografie, sollte man nach einer Kamera schauen, die eine umfangreiche Objektivauswahl anbietet und deren Rauschen in hohen ISO-Bereichen möglichst gering ist. Diese Einstellung ermöglicht auch bei schlechteren Lichtverhältnissen oder schnelleren Bewegungen gute Aufnahmen. Wir empfehlen vor dem Foto-Shooting ein paar Testaufnahmen mit unterschiedlichen ISO Werten zu machen und diese am PC mit starker Vergrößerung zu überprüfen. So kann herausgefunden werden, bei welchem ISO Wert sich das Bildrauschen in Grenzen hält.

Die optimale Auflösung einer Kamera spielt ebenfalls beim Ausdrucken der Portraits eine Rolle. Je größer das ausgedruckte Bild sein soll, desto mehr Megapixel sollte die Kamera haben. Zu Orientierung haben wir euch eine Auflistung vorbereitet:

Kamera

Canon Kamera ©istockphoto.com/MagicColors

  • 2 Megapixel für 10 x 15 cm
  • 3 Megapixel für 13 x 18 cm
  • 4 Megapixel für 15 x 23 cm
  • 6 Megapixel für 18 x 27 cm
  • 10 Megapixel für 22 x 33 cm
  • 12 Megapixel für 24 x 36 cm
  • 14 Megapixel für 26 x 39 cm

Objektiv

Für die Portraitfotografie muss das Objektiv eine entsprechende Brennweite haben. Die Brennweite ist das Auge der Kamera und wird in Millimetern angegeben. Sie beschreibt den Abstand vom optischen Mittelpunkt des Objektivs zum Schärfepunkt. Im Grunde gilt aber: Je kürzer die Brennweite, desto größer ist der Blickwinkel und je länger die Brennweite, umso enger der erfasste Blickwinkel.

Für die Portraitfotografie raten wir zu einer Brennweite ab 70 mm aufwärts. Dank des enger erfassten Blickwinkels können die Motive besser aufgenommen und freigestellt werden – ideal für die Portraitfotografie. Objektive mit kurzer Brennweite, wie es beispielsweise bei Smartphones der Fall ist, verfälschen oftmals die Proportionen der Bilder. Jeder kennt die Selfies, wo die Nase viel größer erscheint als sie eigentlich ist. Für die Portraitfotografie würden wir zudem immer eine Festbrennweite wählen. Objektive mit fester Brennweite sind einem Zoomobjektiv bei derselben Brennweite qualitativ überlegen und aufgrund der Lichtstärke ideal für Portraits geeignet.

Ebenso wichtig bei der Kamera ist ihre Blende. Sie ist die Öffnung im Objektiv, durch die Licht auf den Sensor der Kamera fällt. Stellt man eine große Blende ein, dann ist der Lichteinfall entsprechend groß. Ist die Blende kleingestellt fällt wenig Licht in die Kamera. Zudem kann mit der Blendeneinstellung das Motiv fokussiert werden. Je kleiner die Blende desto besser ist die Fokussierung. Wichtig zu wissen, dass für die Bezeichnung der Blendengröße sogenannte f-Werte verwendet werden, die auf dem Display der Kamera zu finden sind. Etwas verwirrend aber wichtig für die Einstellung:

Blende

Blendengrößen (c) iStock.com /mirjanajovic

  • kleine f-Werte = große Blende
  • große f-Werte = kleine Blende

Faltreflektor

Faltreflektoren eignen sich für jedes Fotoshooting und besonders für die Portraitfotografie. Sie kosten nicht viel, machen aber viel aus. So kann durch das Glanzlicht ein müdes Gesicht oder Augenringe leicht weggeleuchtet werden. Welcher Farbreflektor wann verwendet wird, wird folglich aufgeführt:

  • Goldener Reflektor: Ideal Einsetzbar bei trübem Wetter oder Systemblitzgeräten, um warmes Licht zu erzeugen.
  • Silberner Reflektor: Eignet sich besonders an sonnigen Tagen, um Schlagschatten die aufgrund des starken Lichteinfalls entstehen, zu minimieren.
  • Weißer Reflektor: Eignet sich als Aufheller, um kühlere Farbtemperaturen zu erhalten.
  • Schwarzer Reflektor: Verhindert, dass das Licht zurückgeworfen wird.

3 Portraitfotografie: Die richtige Fototechnik

Portraitfotos werden gerne mit einem unscharfen Hintergrund dargestellt. Zum einem kann die zu fotografierende Person im engen Ausschnitt fotografiert werden. Hier sollte die Lichtstärke ausgenutzt werden. Eine lange Brennweite schafft einen automatisch unscharfen Hintergrund. Soll der Hintergrund bzw. die Entfernung zu anderen Objekten trotz allem erkennbar sein, empfehlen wir den Einsatz einer möglichst großen Blende. Je größer sie ist, desto unschärfer wird alles außerhalb des fokussierten Bereichs. Der Effekt der dabei entsteht ist faszinierend – die Location verleiht dem Portrait eine einmalige Stimmung und lenkt gleichzeitig, aufgrund der Unschärfe, nicht von dem Model ab.

Auch die Scharfstellung sollte vorher geübt sein. Wichtig, dass mindestens ein Auge des Models scharf gestellt ist. Um Fehlfokussierungen zu vermeiden, kann ein Stativ verwendet werden.

Zu gutallerletzt darf auch bei der Portraitfotografie die Belichtungsmessmethode nicht vergessen werden. Die Brennweite, Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit stehen hierbei in direkter Abhängigkeit. Erhöht man zum Beispiel den Blendenwert (stellt die Blende kleiner) so muss die Belichtungszeit verlängert werden. Wir empfehlen im AV Modus zu fotografieren, um die Belichtungszeit automatisch einzustellen. Bei der Portraitfotografie kann die Spotmessung als Messmethode eingestellt werden, um nicht das komplette Bild sondern das Model entsprechend zu belichten.

Trotz aller Techniken darf nie vergessen werden, dass der Mensch bei der Porträtfotografie im Vordergrund steht! Nimm dir die Zeit, dein Model besser kennenzulernen, denn die Kunst besteht darin, die Charaktereigenschaften in dem Bild einzufangen, um so ein Portrait mit den entscheidenden Charakterzügen zu erhalten.

4 Bearbeitung von Portraitfotografien

Bei der Bildbearbeitung in Photoshop geht es darum, dem Portrait den letzten Schliff zu geben und gleichzeitig dem Bild nicht die Natürlichkeit zu nehmen. So sollten beispielsweise bei der Hautkorrektur möglichst keine Falten, Sommersprossen oder Muttermale retuschiert werden, da gerade diese vermeintlichen Makel dem Gesicht ihre Individualität und Natürlichkeit verleihen.

Hautretusche in 3 Schritten:

  • 1. Wählt das Reparatur-Pinsel-Werkzeug aus und haltet die Alt-Taste gleichzeitig gedrückt.
    –> Durchmesser des Pinsels: 10 px – Je kleiner der Durchmesser, desto genauer können Änderungen vorgenommen werden.
  • 2. Fahrt auf eine reine Stelle im Gesicht, klickt diese an und lasst die Alt-Taste los.
  • 3. Fahrt auf die Unreine Stelle. Die unreine Stelle wird von der kopierten reinen Stelle ersetzt.

Dann heißt es fleißig sein. Die eben genannten Schritte wendet ihr bei jeder Unreinheit an. Nach ein paar Minuten kann sich das Ergebnis sehen lassen. Diese Methode kann ebenso bei glänzenden Stellen im Gesicht angewandt werden.

Auch einfach und schnell gemacht ist die Tonwertkorrektur der Portrait-Bilder. Geht unten rechts auf das Ebenenfenster und klickt auf den grau weißen Kreis. Wählt die Tonwertkorrektur aus und probiert die Funktionseigenschaften aus.

Portrait einer Frau

Portrait in Photoshop bearbeiten (c) iStock.com /millann

5 Portraits ausdrucken

Um ein farbtreues Portraitfoto drucken zu können müssen auch die Bildschirme entsprechend kalibriert sein. Ungünstig sind hierbei TN-Monitore, die nicht sehr Blickwinkelstabil sind. Durch die unterschiedliche Farbwahrnehmung weichen die Druckergebnisse stark von der Bildschirmdarstellung ab. Eine beständigere Farbqualität und größere Blickwinkel bieten Monitore mit IPS-Panels an. Weitere Empfehlungen haben wir in dem Beitrag MONITOR FÜR BILDBEARBEITUNG: FOTOS AM COMPUTER BEARBEITEN zusammengetragen.

Auch Fotodrucker nehmen zum Teil automatische Korrekturen vor, was ebenso zu Abweichungen zwischen dem Monitorbild und dem Ausdruck führt. Die Autokorrekturen des Druckers lassen sich im Druckertreiber ausstellen. Wer die Kamera und Drucker direkt miteinander verbindet und verpixelte Portraitdrucke erhält, sollte im Kameramenü die Werkseinstellungen prüfen. Diese sind oft auf die Bildschirmdarstellung optimiert. Für den Druck sollte die Auflösung von 300 dpi nicht unterschreiten.